Mit schweren Geschützen auf Tour – Saxon in München 2018

Heutzutage gibt es nur noch selten wahre Großmeister – Großmeister des Handwerks, der Kunst oder der Musik. Damit sind wahre Größen gemeint, die ihr spezielles Metier wie kein anderer zuvor geprägt haben. Wenn man allerdings den Namen Saxon hört oder liest, so ist sofort klar, um welches Kaliber es sich hier handelt: um niemand geringeres als eine der großen Vorreiter Bands der New Wave of British Heavy Metal, die dieses unglaublich klassische Genre des Metal mitunter stark geprägt hat. Und genau diese Größe fand sich am 21. September dieses Jahres in der neuen Theaterfabrik in München ein, um auch nach stattlichen 39 Jahren immer noch auf den Putz zu hauen und ihr mittlerweile 22stes Studiualbum „Thunderbolt“ veröffentlicht haben. Als Support waren Y&T und Raven mit dabei, die sich stilistisch gut ins Gesamtbild einfügen.

Insgesamt zeigte sich dieser Freitagabend aus vielerlei Hinsicht als interessanter Abend. Zum einen, da die neue Theaterfabrik eine noch relativ neue Konzert- und Veranstaltungslocation in München ist und es genau diese Art von Besuch ist, bei dem man sich in der eigenen Stadt etwas befremdlich vorkommt. Weiter wies das Publikum eine bunte Vielfalt an Personen auf, vor allem aber an Generationen, wie man sie selten auf vergleichbaren Konzerten antrifft. Zum anderen aber – und das ist selbstverständlich die Essenz des ganzen Abends – weil Saxon auch nach so langer Zeit nicht eingerostet sind, sondern ihr Handwerk immer noch bestens verstehen. Diesen Eindruck konnte man von der ersten Sekunde gewinnen und wurde ihn auch nicht mehr los. Trotz ihrer bisher sehr beeindruckenden Karriere, zeigten sich keinerlei Ermüdungserscheinungen Biff Byford und seinen Männern. Auf den Punkt und wie bereits vor etlichen Jahren performten die Briten neue wie auch alte Songs und überzeugten dabei auf ganzer Linie. Sie sind einfach alte Hasen, die wissen, wie sie ihre Fans begeistern können: mit Authentizität. Denn genau das macht die Band nahbar, weshalb vereinzelt Personen aus dem Publikum sich trauten ihre Jeans-Kutten auf die Bühne werfen. Zwar war die genau Intention dieser Aktion nicht ganz klar, aber Biff schnappte sich kurzerhand eine nach der anderen Kutte, zog sie an, spielte damit einen Song und signierte sie dann im Anschluss. Eine unglaublich sympathische Aktion, die diesem Abend die besondere Note verlieh. Daneben stand natürlich die Musik im Vordergrund, die einmal mehr vom Feinsten war. Saxon ist nicht nur eine dieser vielen NWOBHM Bands, die sich gefühlt alle gleich anhören und im Grunde nach spätestens 5 Songs langweilig werden. Saxon verstehen es, diesem Genre Leben einzuhauchen und ihre Show entsprechend zu befeuern. Dabei war es tatsächlich unwichtig, ob gerade ein neuer oder alter Song an der Reihe war – Saxon lieferte einfach durchwegs ab und hinterließ nach einer wirklich umfangreichen und beeindruckenden Show eine rundum glückliche Menge.

Setlist:

  • Thunderbolt
  • Sacrifice
  • Nosferatu (The Vampires Waltz)
  • Motorcycle Man
  • Predator
  • Strong Arm of the Law
  • Battalions of Steel
  • Power and the Glory
  • Solid Ball of Rock
  • The Secret of Flight
  • Dallas 1 PM
  • They Played Rock and Roll
  • And the Bands Played On
  • 747 (Strangers in the Night)
  • Sons of Odin
  • Crusader
  • Princess of the Night
  • Heavy Metal Thunder (Zugabe)
  • Wheels of Steel (Zugabe)
  • The Eagle Has Landed (Zugabe)
  • Denim and Leather (Zugabe)

Text: Conny Pläsken