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Interview mit Micha Rhein
Am 29. August spielt Ihr beim Steiner Burgfestival. Wart Ihr schon mal in der Gegend und kennt Ihr die Kulisse, in der Ihr spielt?
Ich war noch nie da, ich weiß gar nicht, wo das ist. Wo liegt das genau?
Etwa 80 Kilometer südlich von München?
Alles klar.
Du sagst ja immer, Orte verströmen eine gewisse Aura. Das kannst Du ja jetzt bezüglich Stein schlecht beurteilen…
Das werden wir dann sehen, wenn wir da sind. Aber ich glaube, unser Tourmanager, der die Orte immer aussucht, hat ein sehr gutes Händchen für sowas. Man kann halt nicht jede Burg kennen.
Was erwartet die Fans bei Eurem Auftritt in Stein?
Wir sind ja im Moment auf unserer Sängerkrieg-Tour und wir werden schon das Programm spielen, das wir bisher auf der Tour gespielt haben. Und es ist ja einer der letzten Tage, an denen wir für die Sängerkrieg-Tour unterwegs sind. Am 6. September ist mit dieser Tour Schluss und das auch für eine ganze Weile.
Was heißt das dann konkret für Eure Fans?
Wir machen im Dezember eine Akustiktour, eine richtige Unplugged-Tour und dann werden wir uns 2010 erstmal ins Studio begeben oder uns einfach mal vorbereiten und ein neues Album schreiben. Wann das genau herauskommt, wissen wir noch nicht genau. Das kann somit eines der letzten Rockkonzerte sein. Aber wir kommen ja wieder.
Ihr seid ja für Eure Pyrotechnik bekannt. Habt Ihr in Stein vor, etwas dergleichen zu machen?
Ja mit Sicherheit. Wenn das die bayerischen Behörden erlauben… Wir haben da ja professionelle Pyrotechniker dabei. Das gehört zu unserer Show und zu In Extremo. Aber in Bayern gibt es da immer wieder Schwierigkeiten, warum, weiß der Geier. Aber wir werden sehen. Die Feuerwehr von Stein, die wird schon gut drauf sein und das kriegen wir dann schon geritzt.
Beim Burgfestival spielen neben Euch ja noch weitere Bands, unter anderem Lokalmatadoren wie 50 Stitches to Salvation oder Lacrimas Profundere. Kennst Du die anderen Bands auf dem Festival?
Ich kenne Lacrimas Profundere, allerdings in der alten Besetzung. Die haben ja jetzt einen neuen Sänger. Ich habe sie aber ewig nicht gehört. Aber vor ein paar Jahren haben wir schon das ein oder andere Festival bestritten. Das sind alte Bekannte, die einem über den Weg laufen, und das ist natürlich immer gut. Und lokale Bands auf dem Festivals find ich auch gut, die Leute kennen sie und das gibt ihnen einfach mal die Möglichkeit vor größerem Publikum zu spielen. Das ist doch klasse.
Schaut Ihr Euch die anderen Bands dann auch an oder habt Ihr dafür keine Zeit?
Also ich schau mir jedesmal auch die anderen Bands an. Das ist wichtig, das ist schön und hat einfach auch was mit Respekt zu tun.
Ihr spielt hauptsächlich auf großen Festivals. Was ist für Euch das Besondere daran, auch mal auf einem kleineren Mittelalterfestival zu spielen?
Das macht einfach die Abwechslung aus. Wir spielen mal auf großen Festivals, dann auf kleineren und auf mittleren, machen unsere eigenen Shows. Man hat einfach jeden Tag was anderes und das ist das Schöne daran. Auf einem großen Festival zu spielen ist für uns genau so schön, wie auf einem kleineren.
Und was erwartest Du von Eurem Auftritt in der bayerischen Provinz?
Das kann ich jetzt noch gar nicht sagen. Das checkt man dann dort erstmal ab. Aber ich hab da überhaupt keine Ansprüche. Wir werden ein sehr gutes Konzert machen und die Leute werden gut drauf sein. Das erwarte ich.
Bei dem Burgfestival werden bestimmt nicht nur Mittelalterfans da sein, sondern auch viele Einheimische und neugierige Urbayern. Wie reagierst Du, wenn ein alter Urbayer in Lederhosen vor Dir steht und nicht so ganz weiß, was er mit Euch anfangen soll?
Klasse! Das ist genau so ein Kostüm wie jedes andere und ich würde sagen: Herzlich willkommen! Das wäre lustig! Das meine ich ernst, ich finde das schön, wenn die Leute in der für die Region typischen Kleidung rumlaufen, auch auf dem Festival. Das ist für uns auch eine schöne Abwechslung.
Die Themen und die vielen Sprachen in Euren Songs bedürfen ja wahrscheinlich sehr viel Aufwand. Wo informiert Ihr Euch und wie läuft das ab?
Man hat natürlich so seine Quellen, wenn man das jahrelang macht. So Titel wie En Esta Noche oder Liam sind ja unsere eigenen Songs, die wir ins Fremdsprachige übersetzen lassen. Die wurden vorher schon in Deutsch geschrieben. So ein Ave Maria mit 20 Seiten Text zum Beispiel macht schon sehr viel Arbeit. Man übersetzt den Text und schreibt ihn in drei Strophen mit Refrain, den es vorher gar nicht gibt, um, ohne den Inhalt zu verlieren. Und dann übersetzt du das Ganze wieder zurück. Also das ist schon eine Masse Arbeit. Aber das hat was mit unserem eigenen Interesse zu tun und gehört einfach zu In Extremo, wie der Dudelsack zu In Extremo gehört. Wir gehen dafür auch in Bibliotheken und haben viele Bekannte und Professoren, die das alles ermöglichen.
Und ist es für Dich beim Singen nicht schwierig, die Sprachen richtig auszusprechen und Dich nicht zu verheddern?
Natürlich ist das manchmal schwierig. Aber zum Beispiel bei den alten keltischen Sprachen, da weiß doch heute auch kein Professor, wie das ausgesprochen wird. Das mache ich einfach so, wie ich es empfinde. Und auch wenn manche das Gegenteil behaupten, es gibt einfach keine Quellen, wie das früher ausgesprochen wurde. Die Menschen sind seit über 1000 Jahren tot und man kann sie nicht verhören. Ich gebe mir da sehr Mühe, aber das ist einfach so ein Gefühlsding.
Wer von Euch schreibt die Songtexte?
Wir machen alles miteinander.
Du hast mal gesagt, dass Ihr Eure Mittelalterinstrumente selber baut. Wirklich alle? Und wo habt Ihr das gelernt?
Das bringen wir uns selber bei. Die Dudelsäcke sind alles Unikate, alle selbst gebaut. Eine Harfe ist aber zum Beispiel unglaublich viel Arbeit, da hängst du Jahre dran, da arbeiten wir schon mit Instrumentenbauer zusammen. Da haben wir aber auch unsere eigenen Ideen und machen Zeichnungen davon. Das gehört einfach auch dazu.
Ihr habt das Image der düsteren Mittelalterrocker weg. Wie kann man sich Euch privat vorstellen? Burg oder Einfamilienhaus?
Also wir schlafen nicht auf einem Fell oder so. Wir wohnen ganz normal wie jeder andere Mensch auch.
Welche Musik hörst Du in Deiner Freizeit?
Ich bin da total offen. Von Reggae bis Hardrock, einfach alles. Das ist ganz normal, man muss schließlich auch wissen, was es sonst noch auf der Welt gibt und kann nicht nur seine eigene Musik hören. Das wäre albern und dumm. Man kann auch aus jeder Musikrichtung lernen.
Habt Ihr irgendwelche musikalischen Vorbilder?
Ich würde mal sagen, nein. Wir haben ja selbst schon sehr viel ins Leben gerufen. Aber zum Beispiel Tea Party oder Ougenweide aus den 70er Jahren als Vorreiter des Mittelalterrocks in Deutschland fand ich gut. Aber direkte Vorbilder gibt es für uns und unsere Musik nicht.
Eure Musik ist ja nun alles andere als das, was man als Kommerz bezeichnen würde, den man im Radio hört. Wie stehst Du zu dieser Art von Musik und gibt es da Sachen, die Dir auch gefallen?
Was ist Kommerz? Kommerz ist für Fans schon, wenn du nur zwei CDs verkaufst. Das ist alles albern. Das muss jeder für sich selber wissen. Ich persönlich stehe zur deutschen Medienlandschaft einfach so: Die können mich mal. Das muss ich einfach mal sagen, weil sie einfach keine deutschen Bands fördern. Man hört den ganzen Tag irgendwelchen Einheitsbrei, irgendwelche Diskomusik oder was weiß ich. Das ist eben alles Geschmacksache. Ich hör mir sowas aber nicht an. Wenn ich den Radio einschalte, hör ich die Nachrichten, ansonsten hör ich mir so einen Schrott nicht an.
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